Geschichte der Bolter Mühle und Bolter Schleuse
Über 360 Jahre Geschichte an einem der außergewöhnlichsten Orte Mecklenburgs
Von der ersten Wasserverbindung zur historischen Mühle am Müritz-Nationalpark
Die Bolter Mühle ist weit mehr als ein historisches Gebäude. Sie ist ein Ort, an dem Wasser, Handwerk, Politik und regionale Entwicklung über Jahrhunderte zusammenwirkten. Am südöstlichen Rand der Müritz, nahe Boek und dem heutigen Müritz-Nationalpark, erzählt die ehemalige Wassermühle von einer Zeit, in der Wasserwege über Handel, Macht und Alltag entschieden. Bis heute steht das denkmalgeschützte Backsteinhaus als sichtbares Zeugnis dieser besonderen Geschichte.

Die Gründung im Jahr 1665
Im Jahr 1665 legte der Johanniterorden Mirow den Alten Bolter Wassergraben an. Damit entstand eine frühe Wasserverbindung zwischen der Müritz und dem Carpsee in Richtung der Havelgewässer. An diesem Ort entwickelte sich eine der ersten Wassermühlen der südlichen Müritzregion. Die Bolter Mühle war damit von Beginn an eng mit dem Wasser verbunden. Sie nutzte die Kraft der Strömung, prägte die Landschaft und wurde zu einem wichtigen Punkt zwischen Müritz, Havel und den umliegenden Orten. Das heutige denkmalgeschützte Backsteingebäude war einst das Wohnhaus des Müllers und ist der letzte erhaltene Teil von ehemals drei großen Mühlengebäuden.
Die Bolter Schleuse und der Weg nach Berlin
1832 wurde der alte Wassergraben zum schiffbaren Bolter Kanal ausgebaut. Gleichzeitig entstand die Bolter Schleuse. Damit wurde erstmals eine schiffbare Verbindung von der Müritz nach Berlin über Havel und Spree möglich. Die Schleuse machte die Bolter Mühle zu einem bedeutenden Ort an einer wichtigen Wasserstraße. Wer hier die Schleusentore öffnete oder schloss, beeinflusste Wasserstand, Schifffahrt und Versorgung weit über die unmittelbare Umgebung hinaus. Die Müritz wurde zur Wasserscheide zwischen Mecklenburg-Schwerin im Norden und Preußen im Süden.
Zwischen Preußen und Mecklenburg
Die Lage der Bolter Mühle hatte auch politische Bedeutung. Über Jahrzehnte stritten Preußen und Mecklenburg um die Wasserentnahme aus der Müritz. Zu wenig Wasser schadete der Havelschifffahrt in Preußen, zu viel Wasser senkte den Müritzspiegel und beeinträchtigte die Eldemühlen in Mecklenburg. Am 9. Februar 1887 beendete ein Staatsvertrag diesen Konflikt. Er regelte die Wasserentnahme dauerhaft und machte deutlich, welche Bedeutung die Bolter Mühle und die Bolter Schleuse für die Region hatten.
Umbau, Stilllegung und Erhalt
1890 wurde die Bolter Mühle unter Freiherr von Hammerstein Gesmold grundlegend umgebaut. Mit drei Gerinnen und deutlich größerer Wasserkapazität entstand eine leistungsfähigere Anlage. 1928 wurden große Teile der ursprünglichen Mühlenanlage abgerissen. Erhalten blieb das Wohnhaus des Müllers: das heutige denkmalgeschützte Hauptgebäude aus rotem Backstein. 1936 endete schließlich der öffentliche Betrieb des Bolter Kanals, als die Luftwaffe ihre Erprobungsstelle in Rechlin ausbaute. Die Schleuse verstummte. Heute ist die Bolter Mühle ein Ort, an dem diese Geschichte noch spürbar ist – ehrlich, kraftvoll und authentisch. Zwischen alten Mauern, Wasserläufen und unberührter Natur wird Vergangenheit lebendig.

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